Tischelwangerisch

Tischelwang (Eigenbezeichnung: Tischlbong) liegt auf 820 m Höhe im Nordosten Italiens an der Grenze zu Österreich. Bergleute aus dem Kärntner Gailtal und vom Weißensee sollen sich der mündlichen Überlieferung zufolge vor dem Ende des 13. Jahrhunderts dort niedergelassen haben – unweit der alten Römerstraße Via Julia Augusta, die von Aquileia nach Norden führte und Karnien und Kärnten verband. Sprachgeschichtliche Überlegungen und Hinweise aus der Ortsnamenforschung sprechen für diese Datierung. Die ersten schriftlichen Urkunden, die den Namen Tischelwang in der deutschen Form Teschilbang und Teschelwanch enthalten, stammen aus den Jahren 1342 und 1375. 

Tischelwang gehört seit Beginn des 19. Jahrhunderts zu der in der heutigen Provinz Udine gelegenen, größeren Gemeinde Paluzza in der autonomen Region Friaul Julisch Venetien und zählt heute nur noch etwas mehr als 400 Einwohner. 

Die dort gesprochene historische Minderheitensprache, das Tischlbongerische, beruht auf dem Südbairischen in einer Kärntner Ausprägung und war bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in der Sprechergemeinschaft das wichtigste Kommunikationsmittel. Außerdem hat sich das sprachliche Repertoire der Sprecher im Lauf der Zeit um die Sprachen Italienisch und Friulanisch erweitert, die als Staatssprache bzw. regional anerkannte Amtssprache die Verwendung des Tischlbongerischen zurückgedrängt haben. Heute liegen nur noch in der älteren und erwachsenen Generation Sprachkenntnisse in allen drei Sprachen vor, die jüngere Generation beherrscht die südbairische Mundart kaum noch. 

Auch die historische Sprachminderheit in Tischelwang fällt – wie die anderen deutschbasierten Sprachinseln in der autonomen Region Friaul Julisch Venetien – unter den Schutz des Staatsgesetzes 482 aus dem Jahr 1999. Seit vielen Jahren zeugen verschiedene Projekte zur Förderung der Minderheitensprache von dem Bemühen, das mit der Sprache verbundene kulturelle Erbe zu erhalten, das über Jahrhunderte hinweg auch eine wichtige identitätsstiftende Rolle ausgeübt hat. Kulturelle Initiativen (verschiedene Folkloregruppen und Kulturvereine, der Chor „Teresina Unfer“ sowie Schulprojekte und Publikationen) sollen dabei helfen, das Tischlbongerische zu erhalten, eventuell als Sprache der Privatsphäre, zumindest aber als Identifikations- bzw. Symbolsprache.  

Zur Vertiefung

  • Baum, Wilhelm (1983): Deutsche Sprachinseln in Friaul. Klagenfurt: Carinthia Verlag.
  • Cattarin, Francesca (2009):Tischlbongarisch learnan. Udine: Consorzio Universitario del Friuli.
  • De Franceschi, Cristina (1990): L’elemento friulano nel dialetto tedesco di Timau, Tesi di laurea, Università degli Studi di Udine.
  • Einheitskomitee der historischen deutschen Sprachinseln in Italien (Hrsg.) (2022): Die deutschen Sprachinseln im Aufblühen. Sprachinselkomitee 2001-2021. Bozen: Athesia.
  • Francescato, Giuseppe & Paola Solari Francescato (2012): Timau. Tre lingue per un paese. Riedizione a cura di Vincenzo Orioles. Galatina: Congedo Editore.
  • Geyer, Ingeborg (2018): Wortschatzentwicklung in den Sprachinseln Sappada/Pladen, Sauris/Zahre und Timau/Tischelwang im historischen Friaul. In: Stefan Rabanus (Hrsg.): Deutsch als Minderheitensprache in Italien. Theorie und Empirie kontaktinduzierten Sprachwandels. Hildesheim/Zürich/New York: Olms, 325–343.
  • Geyer, Ingeborg (1984): Die deutsche Mundart von Tischelwang in Karnien. Wien: VWGÖ.
  • Geyer, Ingeborg, Marco Angster & Marcella Benedetti (Hrsg.) (2014): Wortschatz aus den deutschen Sprachinseln in Italien. Lusern: Einheitskomitee der historischen deutschen Sprachinseln in Italien.
  • Geyer, Ingeborg & Anna Gasser (2002): Vocabolario Timavese – Bartarpuach va Tischlbong – Wörterbuch der deutschen Mundart von Tischelwang/Timau. Vienna: Praesens. 
  • Heller, Karin, Luis Thomas Prader & Christian Prezzi (Hrsg.) (2006): Lebendige Sprachinseln. 2. Auflage. Bozen: Athesia. 
  • Wurzer, Bernhard (1973): Die deutschen Sprachinseln in Oberitalien, Bozen: Athesia.

Webseite der tischelwangerischen Gemeinschaft